Long
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Als wir in GOOD TIMES Nr. 1, 2, 4 die LATIN QUARTER Story mit Diskografie
veröffentlichten dachte niemand an eine Auferstehung der Band.
Nun, die vielleicht wichtigste Band der 80er Jahre, die so beeindruckend
die Tradition des kreativen 60er-Jahre-Pop fortsetzte, besteht leider
"nur" noch aus den Gründungsmitgliedern Steve Skaith
(guitar, vocals) und Richard Wright (guitar). Völlig hinter
sich gelassen hat Chef Skaith das 1985er Konzept mit 2 Sängerinnen
und einem Sänger (Skaith selbst), mit dem er seine Platten
und Konzerte spannend und abwechslungsreich gestaltete. Die beeindruckende
Ex-LQ-Sängerin Yona Dunsford wirkt auf der neuen CD nur noch
als Gastsängerin beim Titel "Desert Rose" und bei
einigen weiteren Songs als Background-Sängerin mit.
Dagegen setzt Skaith seine seit 1984 erfolgreiche Zusammenarbeit
mit Texter Mike Jones fort. Dieser hat seine bevorzugten Themen
Rassismus und Nicaragua nur noch am Rande erwähnt und brilliert
hier mit 13 scharfsinnigen, anklagenden und aufrüttelnden Geschichten
über Umweltschutz, Korruption, Krieg, Einsamkeit etc. Jones
ist ein direkter, schonungsloser Ankläger, den die Populärmusik
so dringend braucht. Umso ärgerlicher ist es, daß die
Band und ihre Plattenfirma sich erstmals entschlossen auf deutsche
Übersetzungen der Texte zu verzichten. Dies wäre aber
unbedingt erforderlich gewesen, da Jones recht schwierige Texte
schreibt, die nur mit sehr guten Englischkenntnissen ins Deutsche
übersetzt werden können. Sehr schade!
Musikalisch hat Komponist Skaith seine Tugenden erhalten. Durchweg
melodiöse, gut arrangierte Songs (Produktion Skaith/Wright)
gestalten das CD-Highlight des Jahres 1993. Eine bequeme Platte
ist das natürlich nicht - aber Qualität war schon immer
schwerer zu vermarkten als Mainstream-Durchschnitt. Wichtig ist,
daß Skaith, Wright und Jones weitermachen - als Wachrüttler,
Mahner UND als gute Musiker. Vielleicht entschließen sie sich
doch noch wieder eine gute Sängerin in die Band zu integrieren.
LQ-Fans dürfen die CD-Single "Like A Miracle" nicht
ignorieren, den mit zwei bisher unveröffentlichten Livesongs
"Hiding" und "The Ballad Of Felipe Excobar"
bieten die Musiker 2 schöne Bonus-Tracks. (Peter Seeger,
Good Times, Ausgabe NR. 9, Dezember 1993)
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Drei Jahre ließen sich Latin Quarter
nicht im Studio blicken, jetzt riskiert Sanftpfote Steve Skaith mit
neuer Mannschaft ein Comeback. Doch keine Angst: "Long Pig" tönt alles
andere als schweinemäßig. Der polierte Sound von Hits wie "Radio Africa"
feiert friedvoll Wiederauferstehung, und auch das soziale Gewissen
ist noch intakt: Mike Jones sorgt weiterhin für bissige Polit-Texte.
Um die Fans zurückzugewinnen, können Latin Quarter aber ein wenig
Schwein gebrauchen: Lediglich "A Better Helter Skelter" und die Ballade
"Faith And Reason" erreichen Hochglanzformat. © Audio
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Im Herbst 1985 trotzte das Londoner
Septett Latin Quarter dem Retortenpop- Zeitgeist mit differenziert
arrangiertem Folkrock und reflektierten Texten über Südafrika und
andere politische Krisenherde. Den Songzyklus "Modern Times" nannte
Stereoplay-Mitarbeiter Michael Schlüter in Heft 10/85 "ein Debütalbum,
das seinesgleichen sucht". Und diese komplexe, subtile Musik erreichte
seinerzeit auch noch hohe Chart-Plazierungen. Die Schaffenspause,
die Latin Quarter 1990 nach dem dritten Album "Swimming Against The
Stream" einlegten, ist nun beendet. Zur Kernband gehören heute nur
noch Sänger Steve Skaith, Gitarrist Richard Wright und - quasi als
"Stiller Teilhaber" - der Texter Mike Jones. Dafür ist die Gästeliste
um so umfangreicher: Neben dem Sade-Drummer Martin Ditcham, Chris
Reas Bassist Silvin Marc und den Bhundu Boys aus Zimbabwe bringen
diverse Musiker mit Violine, Akkordeon, Saxophon, Klarinette oder
Banjo (Klang- )Farbe ins Spiel. Die Themen, die der ehemalige Lehrer
Mike Jones auf "Long Pig" anfaßt, sind wiederum heiße Eisen. Das beginnt
beim Titelstück: Als "Long Pig" bezeichneten die Kannibalen laut Überlieferung
die Weißen, weil deren Fleisch im Geschmack dem der Schweine ähnlich
sei. Jones be- nutzt diese Metapher, um auf die Gefräßigkeit des zvilisierten
Menschen hinzuweisen, der heute den Globus durch Zerstörung der Umwelt
zum Kochen bringt und England bald in einen tropischen Sumpf verwandelt
haben wird. Weitere Lieder befassen sich mit den Verführungsversuchen
zweifelhafter religiöser Gurus (A Better Helter Skelter), dem Golfkrieg
("King For A Day"), Aids ("The Hoopoe") oder welkenden Titelbildschönheiten
("The Desert Rose"). Die Musik ist angenehm gedämpft, melodisch, typisch
Latin Quarter. © Stereoplay
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Die Redaktionsfavoriten 1993
Long Pig - Peter Seeger, Good Times, Ausgabe NR. 9
Long Pig - Claudia Wedeleit, Good Times, Ausgabe NR. 9 |
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