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In
seinem Interview mit Consumable sagte Mike Jones, dass SPV [die Record
Company, die "Bringing Rosa Home" veröffentlichte] den Eindruck hinterlassen
habe, sie sähe Latin Quarter als eine langfristige Verpflichtung.
Vermutlich hielten sie sich nicht an diese Verpflichtung?
Das taten sie leider nicht. Es liest sich nie gut, wenn Gruppen oder Artisten
sich über ihre Record Companie beklagen. Es ist, wie wenn wir uns
über schlechte Kritiken beschweren; es hört sich an wie Gejammer.
Und natürlich, wenn wir ein Album wie "Sergeant Pepper", "Born To
Run" oder sogar "The Bends" gemacht hätten, wäre uns SPV zu
Diensten gestanden.Aber wir haben dennoch ein gutes Album gemacht. (Das
haben sogar die Kritiker zugegeben!) Und SPV hielten ihr Versprechen ganz
sicher nicht. Ich empfehle sie nicht.
Seit "Bringing Rosa Home" herausgekommen ist, bist Du nach Mexiko City
gezogen. Warum?Ich mußte mein Leben ein bisschen aufrütteln
und aus dem Trott, in den ich gefallen war, herauskommen. Ich wollte Spanisch
lernen und eine neue Kultur erleben. Ich konnte es nicht ausstehen, wieder
mit dem Schreiben und Aufnehmen von neuen Songs zu beginnen; Dann noch
einmal nach einer europäischen Record Company zu rennen und um einen
langfristigen Vertrag zu bitten - das war mir zuviel. Es schien mir eine
gute Zeit zu sein, um weiterzugehen. Ich war hier in den Ferien und traf
einen Musiker, der interessiert war, mit mir zusammenzuarbeiten. Es war
ein langsamer Prozess; Aber ich denke, langsam beginnt es zu funktionieren.
Ich fühle mich erfrischt und äusserst eifrig, eine neue Platte
herauszubringen. Mister-langfristige-Verpflichtung - ich bin hier drüben!
In seiner Kritik von "Swimming Against The Stream", hat John Aizlewood
gesagt, dass Du das ideale Mundstück für Mike Jones' Texte warst.
Du wirst deswegen bestimmt enttäuscht sein, dass Mike Jones keine
Liedertexte mehr schreibt?
Ja, das bin ich. Es war belebend, als Mike so produktiv schrieb. Jede
paar Wochen kam ein neuer Brief an, mit vier oder fünf neue Texten;
die waren immer eine grosse Inspiration.Ich fand es immer einfacher, Musik
für schon geschriebene Texte zu komponieren, und manchmal wurde ich
von der Grossartigkeit seiner Texte ganz bezaubert. Die Ähnlichkeit
unserer Erlebnisse und unserer Weltanschauung zeigte, dass er der ideale
Schreiber für viele meiner Gedanken und Gefühle war.Im Moment
gibt es noch Überreste von seinen Texten und ich benütze sie
immer noch. In den neuen Aufnahmen gibt es noch drei oder vier Mike Jones
Texte, die zum ersten mal das Tageslicht sehen.Aber ja, es wäre grossartig
wenn ihm wieder kreativ zumute wäre; und ich habe die Hoffnung, dass
er wieder inspiriert werden kann, noch nicht aufgegeben.Ich glaube nämlich,
dass das Problem eher ein Mangel an Motivation ist. Er fühlt, dass
er so viel gutes Zeug geschrieben hat und dabei auf einen so grossen Mangel
an Interesse gestossen ist, dass er sich nicht mehr dazu aufraffen kann,
noch mehr Enttäuschung an sich zu nehmen. Hör mal an, was er
schon auf "It Makes My Heart Stop Speaking" auf "Swimming Against The
Stream" geschrieben hat.
An was arbeitest Du im Moment?
Ich arbeite an einem Stapel von neuen Songs, davon wurden einige von Mexiko
inspiriert. Aber Liebe anstatt Politik scheint im Moment den Weg zu leuchten,
mit einer ziemlich extremen Ausnahme.Ich habe ungefähr die Hälfte
der Texte geschrieben; Aber wie gesagt, nahm ich auch ein paar Texte von
Mike Jones, die ich schon eine Weile hatte.
Du hast auch ein paar alte Latin Quarter Songs neu bearbeitet, so wie
"Race Me Down". Was war der Anlass dafür?
Ja, ich habe "Race Me Down", "The Spearcarrier", "Felipe Escobar" und
"Model Son" neu bearbeitet. Der Grund dafür ist ganz einfach: Mein
Freund Javier Gàmiz und ich haben letztes Jahr einige akustische
Gigs gespielt. Ich habe ihm einige Latin Quarter Songs beigebracht. Er
hatte die originalen Arrangements nie gehört, deswegen fing er an,
echt gute neue Riffs zu erfinden - er ist ein Gitarrist. Diese Songs tönten
besonders frisch, daher dachte ich, dass es gut wäre, sie neu aufzunehmen.
(Eine neue Version von "Radio Africa" hörte sich auch gut an, aber
sogar meine Mutter finge an zu schreien, wenn dieser Song noch einmal
neu aufgenommen würde!) Diese Versionen sind einfacher als die Originalversionen
und sie gefallen mir sehr gut.
Latin Quarters musikalischer Stil war immer vielseitig, nirgends so
stark wie auf "Modern Times" und "Long Pig". Hat das Leben in Mexiko Deinen
Stil irgendwie verändert?
Grundsätzlich nicht. Da ist ein Song, der einen lateinamerikanischen
Rhythmus in den Chorus einführt, und die Songs haben hier und da
ein Geschmack von Mexiko. Aber grundsätzlich sind die Songs weniger
verschieden ausgefallen, als ich gedacht hatte. Ich habe mich entschieden
mich nicht darüber zu kümmern.Der grösste Unterschied ist,
wenn dieses Album das Tageslicht sehen wird, dass es viel einfacher und
nicht so ausgefeilt ist wie die von Latin Quarter. Im Moment fühle
ich, dass dies eine Stärke ist. So viel Musik heutzutage ist so klimatisiert
und geschmackvoll; besonders das von Singer/Songwriters, das sogar, wenn
es eindeutig gut ist, (wie David Gray) auf der farblosen Linie hängt.
Ich wäre glücklich, wenn sich dieses Album ein bisschen wie
Demos anhören würde, wenn es dadurch echter tönt.
"Long Pig" und "Bringing Rosa Home" wurden beide mit einigen Session-Musiker
aufgenommen. Arbeitest Du in Mexiko auch mit anderen lokalen Musiker?
Wie ich sagte, mit meinem Freund Javier Gàmiz; und für eine
kurze Zeit lang mit einem grossartigen kubanischen Saxaphonist mit Namen
Daniel.Leider sprechen Kubaner unglaublich schnell spanish und lassen
alle 'S' Geräusche aus. Ich konnte kein einziges Wort, das Daniel
je zu mir gesagt hat, verstehen, aber ich liebte sein Spielen!
Es ist gerecht zu sagen, dass Latin Quarter ihre Portion Enttäuschung
gehabt haben. Wie bist Du motiviert geblieben?
Na ja, Songs zu schreiben ist in sich selbst eine Belohnung und ich liebe
das Aufnehmen im Studio. Live zu spielen war nie so ein grosser Anreiz.
Aber hier in Mexiko lebe ich vom Unterrichten von Englisch. Und ich kann
dir sagen: Nach zwanzig Jahren wieder einen Job zu haben ist eine grosse
Motivierung!
Wann können wir erwarten dein neues Material zu hören?
Das hängt an irgendeiner Record Company irgendwo, die mir noch eine
langfristige Verpflichtung geben wird. Ich kann kaum warten; und wie immer
werde ich ihnen glauben!
Zum Schluss, Du hast die Texte für mehrere Latin Quarter Songs
selber geschrieben. Kannst Du uns den Hintergrund zu diesen Songs erzählen?
"No Rope As Long As Time"....wurde geschrieben, nachdem ich die Biographie
von einem der Gründer der südafrikanischen kommunistischen Partei
gelesen habe. Ein Weisser, ich kann mich im Moment nicht an seinen Namen
oder an den des Buches erinnern. Es tut mir leid, so ungeneu zu sein,
aber es war ja schon vor 17 Jahren! Die Phrase: "No rope as long
as time", war ein Sprichwort von schwarzen Südafrikaner, mit
der Einstellung, dass keine Art Unterdrückung ihnen die zukünftige
Freiheit verhindern könne. Musikalisch ist der Song von Bruce Springsteen
inspiriert. Nachdem ich zu jener Zeit so viel mit Keyboards komponiert
hatte (öfters mit Pop-artigen Riffs, wie auf "Seaport September",
"No Ordinary Return", "Modern Times", "America for Beginners", "Eddie",
"Truth About John"...) hörte ich einmal Springsteen und dachte: "Mensch!
Warum probiere ich nicht einfach wieder einmal Gitarre zu spielen?"
Eigentlich hört man die akustische Gitarre kaum im fertigen Song,
aber so hat es angefangen.
"February 1990"....In Februar 1990 ging ich mit einer Delegation von Schauspielern
und Musikern mit, um die Wahl in Nicaragua zu observieren. Die Niederlage
von der Sandinista Regierung war ein schwerer Schlag, und ich fühlte
wieder einmal, dass der amerikanische Einfluss und ihr Geld die Region
zur Korruption gebracht hatte. Die erste Sache, die ich in meinem Schlafzimmer
sah, als ich nach London zurück kam, war ein Artikel über den
Mord von vier Jesuitenpriester in El Salvador, von dem ich vor meiner
Abreise gehört habe. Noch ein mittelamerikanisches Land für
welches die USA viel Geld ausgegeben hatte, um eine populäre Linkstendenz
zu besiegen. Der Song "February 1990" drückt kurz meine Gefühle
über diese beiden sehr verbundenen Ereignisse aus.
"The Ballad of Felipe Escobar"....In diesem Jahr fing ich an, sehr viel
über Mittelamerika zu lesen. In einem Flugblatt las ich die Geschichte
von einem jungen Landarbeiter in Honduras, der ermordet wurde, weil er
aktiv war und gegen korrupte, despotische Landbesitzer aussprach. Das
war Felipe Escobar.
"Bitter to the South"....Hat einen ähnlichen Hintergrund. Die Melodie
kam von der Begegnung und dem Zusammenspielen mit den Bhundu Boys aus
Zimbabwe. Aber der Text kam vom gleichen Besuch in Nicaragua 1990. Der
Tomas in dem Song ist Tomas Borge, ein Anführer der Sandinistas.
Im nächsten Jahr besuchte ich einen Freund, der in El Salvador für
die UNO arbeitete. Wir hatten die Gelegenheit, in das von den Guerillero
besetzte Gebiet zu gehen. Wir kamen in diesem ganz kleinen Dorf an, das
total von Kugeln durchlöchert und voll von Motarkratern war. Wir
gingen in das einzige kleine Geschäft; und da an der Wand hing es:
Ein Ninja Turtle Poster! Sogar hier amerikanische Kultur.Dieser Song handelt
von der Beziehung zwischen der ersten und der dritten Welt.
"Angel"....ein ziemlich einfacher Love Song, geschrieben in den atemlosen
Augenblicken, wenn man am Rande der Liebe steht. (Nicht Mike Jones meistgeliebten
Latin Quarter Songs! Ich glaube er findet, dass wir diese Art Lieder Bands
aus Kalifornien überlassen sollten!)
"The Spearcarrier"....wurde 6 Monate später geschrieben, als diese
Liebe plötzlich und unerklärlich zu Ende ging. Ich war so schockiert,
so plötzlich aus ihrem Leben ausgestossen zu sein, dass ich diese
Vorstellung hatte: Ein Tag der Star - der Hauptdarsteller im Leben von
jemandem, am nächsten Tag - gar nichts. Wie ein Extra, ein "bit
part player" (in Shakespear) - ein Speerträger. Der Song sollte
nicht gemein sein, aber er ist ironisch und ein bisschen spitz.
"Branded"....noch ein Love Song. Dieses Mal fühlte ich, dass ich
eine Frau mehr liebte und begehrte als sie mich. Das ist grossartig für
die Begehrung, aber sehr schlecht für die innere Ruhe! Aber vielleicht
geht es bei der Liebe nicht um innere Ruhe. Erst als der Song aufgenommen
war, sah ich das eindeutige Bild in der mittleren 8: 'Kommt wie Haut zu
Feuer', anstatt das, was ich gesungen habe: 'Wie Eis zu Feuer.' Deswegen
steht im Büchlein 'Haut', aber in der Aufnahme 'Eis'.
"Love Ain't What You Get"....dies war der vierte Versuch, einen Text für
diesen Song zu schreiben: er wurde schon zur Zeit von "Swimming Against
the Stream" komponiert und erzählt von einigen meiner Freunde in
London.
"Remember"....wurde geschrieben, nachdem ich Westminster Abbey besucht
hatte und bemerkt hatte, wie Religion und Krieg zusammenhängen. Am
Remembrance Tag sollen wir den Kriegstoten gedenken, aber an was erinnern
wir uns wirklich, wenn die Kirche immer schnell bereit ist, das nächste
Abenteuer zu segnen. Ich bin kein Pazifist, aber die Zweispurigkeit ist
ziemlich extrem.
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